Lich ist eine kleine hübsche Fachwerkstadt, zugleich aber auch die letzte Silbe der Worte fürchterlich, schrecklich und ärgerlich. Womit auch unser Fazit für diesen Tag bereits an dieser Stelle vorweggenommen ist.
Der Entschluß, für Lich zu melden, war erst gefallen, als das alljährliche Grillfest meines ehemaligen Verbandes bei Giessen für den Abend des 06.09.2008 terminiert wurde, was natürlich ideal zu verbinden war.
Den Entschluß bereuten wir zum ersten Mal, als der Wecker um 04:00 Uhr morgens klingelte. Da verhüllte noch gnädige Dunkelheit den vor uns liegenden Tag. Um kurz nach 05:00 Uhr befanden wir uns auf der Autobahn gen Hessen, und als langsam der Tag herandämmerte, waren in der Gegend um Karlsruhe bereits Wolken am Himmel zu erkennen, die nichts Gutes ahnen ließen.
Auf Höhe des Rastplatzes Wetterau war die Temperatur im Vergleich zu Böblingen bereits um 5° Grad Celsius gefallen und betrug äußerst maue 15° Grad. Kurz danach hatten wir gegen 07:30 Uhr Lich erreicht, um festzustellen, dass die in den Unterlagen angegebene Braugasse zwar zweifellos vorhanden war, für uns als Ortsfremde wies jedoch weder ein ordentliches Schild auf den Schloßpark hin, noch hatten sich die Veranstalter die Mühe gemacht, die allseits bekannten "DRC"-Pappschilder an markanten Punkten anzubringen.
Nach einer längeren, jedoch idyllischen Irrfahrt durch die Fachwerkgassen von Lich entschlossen wir uns, zunächst einen der Parkplätze im Zentrum anzufahren, um uns in Ruhe zu orientieren. Es dauerte nicht lange, bis Leidensgenossen (erkennbar an der Alubox im Kofferraum) denselben Parkplatz ansteuerten und ausgerechnet uns fragten, wie sie denn zum Ort der Veranstaltung kämen...auf die Spur brachte uns letztlich ein Hinweisschild zur Töpferei Soundso, deren Lage mit "Richtung Schloßpark" und einem groben Richtungspfeil ausgewiesen war. Die Spur wurde heißer. Die drohende Euphorie erlitt dann allerdings einen Dämpfer, als alles darauf hinwies, der Weg der Wahl sei ein kleines Sträßchen, an dessen Anfang sich das sympathische Schild "Keine Wendemöglichkeit" befand - man verzichtete daher zunächst auf die Einfahrt, musste allerdings bald feststellen, dass die Alternativen ein etwas entfernt liegender, größerer öffentlicher Parkplatz waren, von welchem das Tragen der zahlreichen Ausrüstungsgegenstände wohl etwas Zeit in Anspruch genommen hätte, oder die kleinen Parkbuchten im Zentrum ("Parken mit Parkscheibe 1 Stunde").
Also wurde das kleine Sträßchen ohne Wendemöglichkeit näher erkundet, und siehe da: das Schild war ein Lügner! Wenden war kein Problem, und Parkmöglichkeiten gab es auch noch. Also suchten wir uns eine möglichst nahe gelegene zum Park und begaben uns, mit dem ersten Gepäck beladen, in den nun glücklich gefundenen Schloßpark.
Nach einigen hundert Metern hatten wir dann - endlich - auch den Platz der Ausstellung und einen schönen Platz nahe am Ring der Golden Retriever-Hündinnen gefunden. Schwierigkeiten ergaben sich dann noch beim Aufbau unseres Pavillon-Qualitätsproduktes aus China; zwar hatten sich schnell helfende Hände gefunden, wahrscheinlich nahm der Pavillon den Versuch des Auseinanderziehens aber als Versuch der Vierteilung übel und reagierte mit einem zweifachen Strebenbruch. Zum Glück hatte einer der Helfer Gaffa-Tape im Auto und so konnte dem Pavillon schnell und unbürokratisch Erste Hilfe geleistet werden. Nachdem der Pavillon aufgebaut, das restliche Gepäck und Fine aus dem Auto geholt und verstaut sowie Fine angemeldet und die Papiere abgeholt waren, blieb gerade noch Zeit, kurz was zu trinken, Christina, eine befreundete Retrieverbesitzerin mit Familie und Dana, der Halbschwester von Fine, zu begrüßen, als die Jugendklasse auch schon aufgerufen wurde.
Durch den Regen, der mittlerweile eingesetzt hatte und sich mit Pausen den ganzen Tag hartnäckig halten sollte, begab ich mich also mit Fine zum Ring, wo Fine es wieder einmal schaffte, Christiane und mich zu überraschen: Offenbar hatte einerseits das Üben gefruchtet, und sie stand lange und gut, andererseits hatte sie über das Üben wohl vergessen, wie man ordentlich neben Herrchen hertrabt - was sich dann auch in dem recht ernüchternden Urteil des Richters niederschlug:
"Sweet head, good shoulder placement, moving all over the place on the move, needs to go to ringtraining."
Tja, und damit war dieser Tag dann ausstellungsmässig dann beendet. Zu erwähnen bleibt noch, dass ich gegen 13:00 schnell noch nach Giessen fuhr, um meinen Freund Frank abzuholen, der mit der Bahn zum Ehemaligentreffen anreiste. Nachdem ich ihn zum Gelände des Grillfestes gebracht hatte, rief ich Christiane kurz an, um ihr meine bevorstehende Rückfahrt anzukündigen. Leider hatte mittlerweile eine Windböe den Pavillon abgebaut, so dass Christiane gezwungen war, all unser Geraffel mitsamt Fine abzubauen und unter Bäumen so gut wie möglich vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. Dementprechen war ihre Laune, als ich Lich wieder erreichte. Wir luden alles ins Auto und fuhren zunächst in unser gebuchtes Hotel. Nach einer Pause dort und einer warmen Dusche war Christiane dann soweit wieder hergestellt, dass der sich anschließende Grillabend nach diesem doch recht furchtbaren, stressigen Tag doch noch für einen angenehmen Ausklang sorgte.